10. Dezember 2017

Weihnachtsbäckerei in Kinderhand

Hebron im Schnee (passiert alle paar Jahre, diese Aufnahme von vor 4 Jahren)
Nachdem ich Astrids Post zur "Weihnachtsbäckerei" und ihre Bitte um Plätzchenrezepte und -geschichten gelesen habe, stellte ich mit Erstaunen fest, daß mein Fundus an Plätzchenrezepten ziemlich spärlich ist. Und das, obwohl ich schon seit meiner Kindheit furchtbar gerne backe und mit meinem Vater und (Schicksal?) meinem Ehemann zwei Fachmänner des Backwesens in der Familie habe.
Also kann ich Euch nur vier Rezepte und Geschichten schenken, diese aber sind mit vielen, lieben Wünschen für eine leckere Winterzeit versehen.

Rezept 1: Die "Wichtelmänner", die ihren Namen eher abstrakt umsetzen, habe ich schon mit meiner Mutter als Kind gebacken; 

mit meiner Mutter, denn meinem Vater, als gelernten Bäcker und Konditor, lassen von Kinderhänden unregelmäßig geformte und auf Backblech gemanschte Teigkugeln Schauer über den Rücken laufen. 


Uns Kindern machte dieses Gemansche, erst den Teig, dann Ei und zum Schluss Mandelsplittern sehr viel Spass; auch wenn der Teig auch roh sehr gut schmeckte. Warum dieses Rezept nicht mehr bei mir zu finden war, keine Ahnung. Ich meine, daß ich es auch mit meiner ersten Tochter gebacken habe. Den Umzug nach Israel scheint es nicht mitgemacht zu haben.
Nun hat mich dieser Post daran erinnert und ich habe gleich meine Mutter angerufen. Sie hatte es noch und so haben wir es nachgebacken.

Rezept 2: Der Umzug in eine neue Heimat bringt auch neue Rezepte mit sich. Diese zu übernehmen ist schön, es verbindet einen mit seinen neuen Nachbarn und es ist einfach, weil garantiert alle Zutaten im Laden zu finden sind.

Das beduinische Universal-Rezept und auch das einzige, welches hier gebacken wird, ist "Maamoul". Ein Teig mit Grieß und eine Füllung aus Datteln und Nüssen. Ich habe es zwei- oder dreimal mit meinen Kindern gebacken... aber a) ich mag diesen Grießteig nicht wirklich gerne b) es gibt um mich herum eine Menge Leute die das lieber machen (ist nämlich mit einigem an Arbeit verbunden, vor allem wenn man, wie hier, immer gleich 2 oder 3 Kilo backt) und besser können als ich. 

So fristet die Backform ein Stiefdasein in meiner Küche und wir holen uns leckeres Maamoul einfach aus der Bäckerei meines Mannes. Wer es mag, hier ist ein Link zu einem Rezept, das dem mir bekannten ähnlich ist.

Rezept 3: Der Umzug in eine neue Heimat kann einem auch Rezepten aus der alten Heimat wieder näher bringen.

Im ersten Jahr meines Israelaufenthalts fand ich, noch in der schlimmsten Heimwehphase, ein Rezept für "Pfefferkuchen"; zwar auf der Homepage des schwedischen Staates, aber wenn man in Asien lebt, dann ist Schweden fast Deutschland, oder? (grins)
Dieses Rezept ist mehrfach, ganzjährig erprobt und als gänzlich kindertauglich befunden worden. Die 800 g Mehl erfordern trainierte Arme beim Kneten des Teigs, aber die Gewürze, der Sirup und der braune Zucker ergeben ein sehr würziges Plätzchen, das zu einer Tasse starken Kaffees am besten schmeckt.

Rezept 4: "Linzerplätzchen", ganz neu. Astrid hatte meinen Ehrgeiz geweckt und im Schrank lagen noch die Ausstechformen, die mein Mann mal von einer Messe in Italien mitgebracht hatte.

Das Rezept ist von Dr. Oetker, eine Reminiszenz an meine Geburtsstadt Bielefeld, und seeeeeeeeehr lecker. Mürbeteig, Orangenmarmelade und Zartbitterschokolade. Mmmmmmmmh! Backt man aber besser ohne Kinder. Der Teig muss kalt bleiben, das bedeutet schnelles arbeiten. Und das Gefriemel mit den Ausstechformen, das Geschmiere mit der Marmelade... ich habe es einmal mit drei Kindern gemacht und... nie wieder.

Gleich werde ich in der gut gefüllten Linkliste bei "Le Monde de Kitchi" stöbern. Vielleicht kommen ja noch mehr neue Rezepte hinzu. Wieder ein dickes Dankeschön an Astrid für diesen Denk- und Backanstoß.

Ich wünsch Euch einen Frohen Advent und
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

Kommentare:

  1. Ich bin ganz gerührt und hoch erfreut über deinen Beitrag! Habe in den letzten Tagen auch viel an dich gedacht ( aus gegebenem Anlass ). Du sprichst so Einiges an, was mir auch so geht, vor allem in Bezug auf die Kinder.-
    Wir haben nun hier unsere Bäckerei abgeschlossen und werde unsere Zelte abbrechen, um die unschöne letzte Zeit durch Tapetenwechsel zu vergessen.
    Dir und deinen Lieben wünsche ich von Herzen friedliche Tage!
    Astrid

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    1. Nun bin ich gerührt... und wünsche Euch eine schöne Raus-Zeit. Lg Maren

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  2. Liebe Maren,
    schön, dich entdeckt zu haben ;-)
    Danke für deine netten Worte.
    Du lebst schon seit Jahren in Israel? In Hebron direkt?
    1995 war ich auch mal für zwei Wochen in Israel.
    Eine Bekannte von mir kam aus Be’er Scheva.
    Israel ist ein so interessantes Land.
    Ich wünsche dir auch eine wunderschöne und vor allem friedliche Weihnachtszeit!
    Ganz liebe Grüße aus Bayern
    Melanie

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    1. Da sieh mal einer an. Rahat liegt direkt neben Be’er Sheva, sozusagen die nächst größere Stadt. Klein ist die Welt. Vielleicht haben wir ja eine gemeinsame Bekannte ;) Ich wünsche Dir eine frohe Winterzeit (viel Spaß im Schnee), lg Maren

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  3. sehr interessant dein Bericht..
    ja.. manchmal geht etwas verloren und wird wieder gefunden ;)
    und manches probiert man aus und merkt dass es nicht passt
    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Genau so ist es. Danke Dir, ein schönes Wochenende wünsche ich, Maren

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  4. Witzig, dass es gerade das Backen ist, dass einem in der Ferne die Heimat näher bringt. Meine Tochter hat in Vermont auch mit dem Backen begonnen, vor allem Brot. Irgendwann wollten die Nachbarn auch kosten. Mittlerweile ist es neben den Kindern ein gut laufender Nebenerwerb.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Schön, dass Deine Tochter ab und an bei Dir zu Wort kommt. Ich lese so gerne von ihr. Oder über sie.
      Und das mit dem Brot als Tauschware fand ich schon sehr lustig. Lg Mare

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