20. November 2017

Feuer und ich



Feuer? Feuer! das Thema der Link-Party bei Astrid und ihrem Blog "Le Monde de Kitchi"… Feuer und ich. Das ist eine wirklich nicht sehr aufregende Beziehung. Ich erzähle trotzdem ein bisschen…

Die Holzfeuer gehörten zum Unterhaltungsprogramm meiner Kindheit, größere bei dörflichen Festen, bei Kindergarten- oder Schuljahresabschlußfeiern, kleinere nach dem Baumschnitt im Frühjahr oder nach der Kartoffelernte in nachbarschaftlicher Runde im Garten. Die merkwürdige Wärme im Gesicht, das Knistern und Knacken, das Sprühen der Funken, etwas unheimlich, aber vor allem schön, heimelig, auch weil ich, mit kindlichem Vertrauen in die Erwachsenen, nichts tun und nichts zu befürchten hatte.

Faszinierender und auch bedrohlicher schien da schon die seltsam blaue Gasflamme des Boiler im Badezimmer meiner Großmutter, dieses unstete Licht und die furchtbaren Geräusche. Ich befürchtet immer, dass uns das Teil eines Tages um die Ohren fliegen würde. Auch heute noch habe ich Respekt vor dem Zusammentreffen von Gas und Feuer. (Leider haben meine Schwägerinnen noch mehr Angst, so dass ich es immer bin, die den Gaskocher in Gang setzen muss. Die Welt gehört den Mutigen.)
Kerzen dagegen zünde ich mit Leichtigkeit an. Der Geburtstagskranz, der Weihnachtsbaum, meine Eltern sind Liebhaber echter Bienenwachskerzen und sobald ich alt genug war, oblag mir das Anzünden. Vorsicht war geboten, ermahnend von meinen Eltern und alleine weil selbst Streichholzfeuer an Fingerspitzen empfindlich schmerzt. Aber Angst kam keine auf. Auch der Tannenbaum der im Heilig-Abend-Gottesdienst plötzlich Feuer fing wurde eher als dankbare Unterbrechung der langweiligen Predigt, denn als Gefahr empfunden (und vom Küster auch beherzt und schnell mit einem bereitstehenden Wassereimer gelöscht).

Und die Faszination “der gar traurigen Geschichten mit dem Feuerzeug” aus dem großen Wilhelm-Busch-Buch meiner Eltern ging eher von der eigentümlichen Sprach, denn von ihrem pädagogisch belehrenden Inhalt aus.
Meine Kinder kennen diese Geschichte nicht, aber dafür lieben sie die Erzählung “wie mein Bruder die Wiese hinterm Haus in Brand gesteckt hat”. Eine wahre Geschichte über das verhängnisvolle Zusammenspiel von heimlich eingesteckten Streichhölzern und unverhofftem Wind, die in diesem Fall aber glimpflich ausgegangen ist (wieder wegen eines beherztem Eingreifen, diesmal der Nachbarn mit Swimmingpool). Also im Ganzen lässt sich sagen, es gab Feuer, aber eher aus dekorativen Zwecken. Weder Grillfeuer noch Kerzenlicht waren wirklich notwendig. Im Alltag spielte Feuer keine Rolle, da gab es Glühbirnen, Herdplatten und Heizkörper.

Einen ganz anderen Umgang mit Feuer habe ich dann erst bei meinen ersten Besuchen in Israel kennengelernt. Hier wurde noch täglich auf offenem Feuer Brot gebacken und bei grossen Einladungen und Festen auch gekocht (wenn wir wieder nach Hause flogen roch der ganze Koffer plus Wäsche nach Rauch). Mein Schwiegervater röstete seinen Kaffee selbst über dem Holzfeuer und bis heute wird bei Hochzeiten immer Feuer im Zelt gemacht, damit die Männer ihren Kaffee dort kochen können.

Ansonsten hat sich aber viel geändert. Der Gasofen hat das Holzfeuer weitgehend verdrängt und die Fähigkeit immer und überall ein Feuer machen zu können, geht verloren, wie so viele andere Traditionen auch. Kerzen werden hier auch nur noch angezündet, wenn, wegen der Überlastung, der Strom ausfällt. Das passiert hier allerdings, Sommers wie Winters, des öfteren.
So ist meine Beziehung zum Feuer vielleicht keine langweilige, aber eine “moderne”, abgeklärte Beziehung (und ehrlich gesagt, ich mag es viel lieber, wenn meine Wäsche nach Waschmittel und Wind riecht und Stockbrot wird wirklich überbewertet).

Für morgen früh sind furchtbar kalte 13 Grad und Regen angekündigt. Ich habe den Kindern die Federbettdecken bezogen und vielleicht sollte ich morgen früh die Teelichter rauskramen und mein Stövchen bereitstellen. So ein bisschen Kerzenlicht kann auch sehr wärmend sein.

Ich wünsche Euch ein schöne warme Woche,
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

Kommentare:

  1. Schön, dass du wieder dabei bist! Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die Kälte bei euch einzieht! Federbetten sind mir aber auch viel lieber als Kaminfeuer. Das Foto gefällt mir sehr, erinnert es mich doch an meine (einzige) Begegnung mit der Wüste...
    Mach et joot, wie man in Köln sagt.
    Herzlichst
    Astrid

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    1. Danke Dir, Astrid, und liebe Grüsse Maren

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  2. Das Feuer als netter Zusatz, statt als Notwendigkeit... möge es so bleiben!

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    1. Ja, das finde ich auch. Liebe Grüsse Maren

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  3. Hallo Maren,
    ja, die Geschichte mit Paulinchen und dem Gas, die kenne ich auch noch.
    Morgen bin ich dabei. Ein schöner Bericht.

    Lieben Gruß Eva

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  4. ich finde die Geschichten aus der "Wüste" interessant ;)
    ja.. so lange wir Strom haben
    machen wir uns über das Feuer weniger Gedanken
    liebe Grüße
    Rosi

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  5. Das war jetzt sehr interessant, gefällt mir gut, solche Geschichten aus völlig anderer Perspektive.
    Gas verursacht bei mir immer ein mulmiges Gefühl, egal ob Kocher oder Heizung.
    Federbetten - schon das Wort ist so schön und weckt Wärme Gedanken. In Federbetten habe ich als Kind geschlafen, das war auch nötig. Im Schlafzimmer gab es weder Ofen noch Heizung.
    Liebe Grüße

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    1. Das finde ich an diesem Projekt auch am interessantesten, die verschiedenen Perspektiven und Lebenswirklichkeiten. Dann wünsche ich Dir ein "warmes" Wochenende. Liebe Grüsse Maren

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  6. nachdem ich jetzt meinen feuer-beitrag fertig habe, lese ich mich gern durch die anderen posts. deine feuergeschichten finde ich besonders interessant. gasöfen mag ich so gar nicht, da hab ich immer angst vor explosionen und mochte in ferienhäusern diese großen gasflaschen gar nicht, die sind mir bis heute suspekt. offenes feuer hingegen hab ich immer geliebt, irgendwie erschien es mir nie gefährlich zu sein (was natürlich nicht stimmt).
    heute bin ich allerdings auch froh, dass wir immer die heizung aufdrehen können, aber unseren kaminofen möchte ich trotzdem nicht mehr missen!
    liebe grüße
    mano

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